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Altes Handwerk am Pfalz-Märt 2015 erleben

Geflechte und «Agréments» aus Stroh
Das Herstellen von Erntedank-Symbolen als Glücksbringer war oder ist in der ganzen Welt ein Jahrhundert alter Brauch. Aus dem Massenprodukt Stroh lässt sich Exquisites herstellen. Wer kennt nicht die Geschichte von Rumpelstilzchen, welches der armen Müllers Tochter in ihrer Not geholfen hat und Stroh zu Gold werden liess? Vor ca. 200 Jahren entwickelte sich in der Schweiz, vor allem im aargauischen Freiamt, die Strohverarbeitung. Tüftler fanden heraus, dass sich gespaltene Strohhalme auf einem Schnürlirädli zu einem «Stroh-Schnürli» spinnen lassen.

Damit konnten die prächtigsten Bordüren und Verzierungen für die Hutindustrie hergestellt werden. Oft wurden beim Klöppeln von Rosshaarspitzen (mit schwarzem oder weissem Haar) gleich Strohschnürli mit eingeklöppelt und danach auch die Spitzen mit diesen Agréments bestickt. Im letzten Jahrhundert wurde das Naturmaterial Stroh mehr und mehr durch Kunstfaser verdrängt. In der Mode fand ein gewaltiger Umbruch statt. Hüte waren kaum mehr gefragt, die Dauerwelle wurde immer beliebter, und die Strohverarbeitung erlebte ihren Niedergang. Heute lässt sich Monika Schmied aus Lanzenhäusern BE von den traditionellen Motiven inspirieren, damit diese Technik nicht ganz vergessen wird. Sie verarbeitet Strohhalme aus eigener Produktion und spinnt aus gespaltenen Halmen Strohschnürli. Daraus zaubert sie Tür- und Raumschmuck wie z. B. Kränze, Herzen und Kreuze, spezielle Sterne und Dekorationen.

Haar – Kunst – Flechterei
Menschliches Haar gilt als Zeichen der Liebe, der Freundschaft und der Trauer. Schmuck und Andenkenbilder aus den Haaren eines geliebten Menschen wurden besonders im 19. Jahrhundert als Sinnbild einer innigen Beziehung geschätzt. Typische Objekte jener Zeit waren Uhrenketten, Armbänder, Colliers, Ringe… Das Flechten der Haarsträhnen (Meschen) ist eine dem Klöppeln verwandte Technik. Diese Geflechte stellt man auf der Jatte (Flechtstuhl) her.

Rosshaarschmuck: Im Trachtenwesen kennt man Hauben aus geklöppeltem Rosshaar (z. B. Berner Sonntagstracht). Aus diesem Material stellt Monika Schmied Schmuckobjekte her: Armbänder, Halsketten, Ohranhänger, Broschen, Taschen – und Handyanhänger… Die Tradition aus dem 19. Jahrhundert, als man Schmuck aus den Haaren als Zeichen der Verbundenheit trug, lebt in neuer Form wieder auf.

Erleben Sie diese und andere alte Handwerkskunst (Klöppeln, Weben) am diesjährigen Pfalz-Märt.